Anders als Freileitungen können im Erdreich liegende Stromkabel nur mit hohem Aufwand und besonderer Expertise geprüft werden. Da Kabel nicht mit bloßem Auge kontrolliert werden können, sind Servicetechniker auf spezielle Messtechnik angewiesen. Um den sicheren Betrieb zu gewährleisten, war es bis 2019 verpflichtend, Kabel zur Zustandsbewertung regelmäßig einem sogenannten Stresstest zu unterziehen. Die Tests waren eine zusätzliche technische Belastung für die Kabel. Im Ergebnis wurde die Prüfung entweder bestanden oder Kabelfehler mussten im Anschluss geortet und repariert werden. Mit der Entwicklung hin zum Einsatz eigener Diagnosemesswagen mit modernster Messtechnik konnte die Bayernwerk Netz die Test-Belastung der Kabel verringern und den Zustand von Mittelspannungskabeln nun genauer ermitteln und beurteilen. Die präzisen Diagnosen erlauben es, ein einzelnes Sandkorn, einen Wassertropfen oder einen Lufteinschluss vor einem möglichen Störungseintritt zu erkennen. Bei Bedarf können Kabel präventiv und ohne Einschränkung der Versorgungssicherheit gewechselt werden. Die Bayernwerk Netz setzt das Verfahren nicht nur im eigenen Netz erfolgreich ein, sondern bietet es bei steigender Nachfrage auch als Dienstleistung für andere Unternehmen an. Mittlerweile zählen fünf Fahrzeuge mit Diagnosemesstechnik zur Flotte und neben der Mittelspannung rückt auch der Einsatz im Hochspannungsbereich in den Fokus.